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Die Walliser Wasserkraft – Schlüssel der Versorgung der Schweiz

Im Lauf der nächsten drei Jahrzehnte werden die Walliser Gemeinwesen die auf ihren Gebieten gebauten Wasserkraftanlagen erben. Dieser Paradigmenwechsel stellt eine historische Chance für unseren Kanton dar. Damien Métrailler, Präsident des Verwaltungsrates der FMV, und Generaldirektor Stéphane Maret erläutern die Herausforderungen und Möglichkeiten dieser neuen Dynamik.

Im Lauf der nächsten drei Jahrzehnte werden die Walliser Gemeinwesen die auf ihren Gebieten gebauten Wasserkraftanlagen erben. Dieser Paradigmenwechsel stellt eine historische Chance für unseren Kanton dar. Damien Métrailler, Präsident des Verwaltungsrates der FMV, und Generaldirektor Stéphane Maret erläutern die Herausforderungen und Möglichkeiten dieser neuen Dynamik.

Die Wasserkraft ist der Eckpfeiler der gesamten Energiestrategie 2050 des Bundes und der Stromversorgung des Landes. Dieser Eckpfeiler ist im Kanton fest verankert und es eröffnen sich bei den anstehenden Heimfällen der Kraftwerke für das Wallis, sein industrielles Erbe und das Potenzial seiner Wasserkraft interessante Perspektiven. Die wichtigste Herausforderung: die verschiedenen Akteure aus dem Wallis und der Schweiz zu vereinen, damit das „Wasserkraftwerk Wallis“ geboren werden kann. Ein Interview mit Damien Métrailler, Präsident des Verwaltungsrates der FMV, und ihrem Generaldirektor Stéphane Maret.

Die Konzessionsgemeinden, die Walliser Energieakteure und die FMV werden das Wallis bis zum Jahr 2050 zum wichtigsten Wasserkraftproduzenten der Schweiz machen. Warum?

DAMIEN MÉTRAILLER [DM]: Unsere kantonale Gesetzgebung sieht vor, dass die Gemeinden, welche die Rechte zur Nutzung ihres Wassers verliehen haben, beim Auslaufen der Konzessionen Eigentümer der Wasserkraftanlagen werden. Sie werden 30% davon dem Kanton abtreten, der sie an die FMV verkaufen wird. Ausserdem können sie bis maximal 40% davon an Partner ausserhalb des Kantons veräussern. Durch die Vereinigung ihrer Kräfte können die Walliser Akteure also die Betreiber der Wasserkraft werden und somit einen höheren Mehrwert im Wallis schaffen.

So wird das „Wasserkraftwerk Wallis“ der Zukunft gezeichnet?

STÉPHANE MARET [SM]: Ja. Dieses „virtuelle“ Kraftwerk wird nach und nach aufgebaut werden, im Takt der Heimfälle. Die Idee ist, dass das Wallis sämtliche Kraftwerke in koordinierter Weise betreibt, um sie zum optimalen Zeitpunkt einsetzen zu können und dadurch interessante Mehrwerte zu schaffen. Mit seinen Staumauern produziert das Wallis 10 Milliarden kWh pro Jahr von sehr hoher Qualität und sehr flexibel einsetzbar. Und bis 2050 werden die FMV, die Konzessionsgemeinden und ihre regionalen Stromversorger mindestens 60% dieses „Wasserkraftwerks Wallis“ besitzen. Wir haben ein gemeinsames Interesse daran, uns zusammenzuschliessen, um diesen wertvollen Produktionspark bestmöglich zu nutzen.

Was könnte diese neue Dynamik auf kantonaler Ebene bewirken?

[DM]: Zunächst die Schaffung von zahlreichen Arbeitsplätzen mit hohem Mehrwert im Wallis. Die Hochschulen – die EPFL und die HES-SO Valais-Wallis, mit der wir beispielsweise im Rahmen des Wasserkraft- Forschungslabors „Hydro Alps Lab“ zusammenarbeiten – das Kompetenzzentrum der FMV und der Walliser Energiesektor bieten hervorragende berufliche Möglichkeiten für die Schweizer Jugend: beispielsweise Ingenieure, Projektleiter, Ökonomen, Marktanalysten, Juristen. Ausserdem wird eine koordinierte Nutzung des „Wasserkraftwerks Wallis“ eine bessere Verwertung unserer Produktion ermöglichen. Ganz zu schweigen von der zunehmenden Notwendigkeit, die Nutzung unseres Wassers zu verbessern. Im Hinblick auf eine multifunktionale Vision dieser Ressource ist Wasser knapper, als uns bewusst ist.

Wie kann man diese gemeinsame Vision verwirklichen?

[SM]: Wir versuchen vor allem, alle Beteiligten zu vereinen, indem wir in ihrem Dienst handeln: die Konzessionsgemeinden und ihre lokalen Stromversorger sowie die ausserkantonalen Partner, denen die Konzessionsgemeinden die gesetzlich erlaubten 40% oder einen Teil davon verkaufen werden. Um den Wert des „Wasserkraftwerks Wallis“ zu erhöhen, strebt die FMV mit allen Akteuren die Schaffung einer gemeinsamen Bewirtschaftungs- und Vermarktungsplattform an, die langfristig die im Wallis produz erten 10 Milliarden kWh auf den Märkten verwerten wird.

Wird diese Plattform auch zur Versorgungssicherheit der Schweiz beitragen?

[DM]: Ja. Um uns von importierter fossiler Energie loszulösen – Kriege zeigen, wie wichtig dies geostrategisch ist – ist es entscheidend, das ganze Potenzial der Schweizer Wasserkraft auszuschöpfen. Unsere Vision besteht also darin, mit den kantonalen und nationalen Partnern eine erfolgreiche Zusammenarbeit aufzubauen. Diesen Ansatz müssen wir mit den Schweizer Stromversorgern teilen, die diesen Strom benötigen. Wir arbeiten daran bereits im Sinne eines Wallis, das Verantwortung zeigt und einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit des Landes leistet.

Seit dem letzten Herbst führt das Risiko einer Stromknappheit zu intensiven Diskussionen auf höchster Ebene. Diese Befürchtungen werden durch den Krieg in der Ukraine noch verstärkt. Wie sieht die Situation aus?

[DM]: Kurzfristig ist unsere Versorgungssicherheit gewährleistet, auch wenn das Drama in der Ukraine erneut Anlass zur Sorge gibt. Langfristig, und unabhängig von den internationalen Spannungen, besteht das Risiko einer Stromknappheit insbesondere aufgrund des Ausstiegs aus der Kernenergie und der fossilen Energie in Europa, sowie aufgrund der zweiten Elektrifizierung – mit Elektromobilität und Wärmepumpen. In diesem Zusammenhang wird das Wallis mit konkreten Lösungen eine wesentliche Rolle spielen.

Welche konkreten Lösungen gibt es langfristig?

[SM]: Die FMV hat eine umfassende Studie zum Potenzial der zusätzlichen Energieproduktion im Winter aus Wasserkraft im Wallis durchgeführt. Das Winterpotenzial beträgt 2,2 Milliarden kWh mit dem Bau neuer Kraftwerke sowie die Erhöhung bestimmter Staumauern. Auch wenn nicht alle Projekte umgesetzt werden, kann das Wallis dennoch einen grossen Teil des vom Bund definierten Ziels von 2 Milliarden kWh bis 2040 abdecken.

Das ist die „alpine Batterie“?

[SM]: Ja. Mit seinen derzeitigen und zukünftigen Speicherkapazitäten und den überaus leistungsfähigen Anlagen ist unser Kanton ein unumgänglicher Akteur im Hinblick auf die Versorgungssicherheit des Landes und die Stabilität der Netze. „Das Wasserkraftwerk Wallis“ wird dadurch umso attraktiver für Energieakteure aus der Schweiz und Europa.

Von Thomas Pfefferlé

Fotos: Sébastien Moret

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